Samstag, 4. März 2017

Gegen den Selbstbetrug - die Mär von der christlichen Unschuld in Zeiten der Ketzerverfolgungen und Hexenverbrennungen

Um mit der Mär aufzuräumen, die Kirche hätte nicht die Ketzer- und Hexenverbrennungen zu verantworten, weil die Ketzer und Hexen von weltlichen Gerichten verurteilt wurden, sei folgendes gesagt.
Wer so etwas behauptet, leugnet die Existenz und den Einfluss der Inquisition.

Wer so etwas behauptet, leugnet den Einfluss des Christentums und des Klerus, den selbige auf die gesamte Gesellschaft und das Staatswesen im Heiligen Römischen (Kirchen)Reich ausgeübt haben.

Hier stellt sich die Frage, nach welchen weltlichen Gesetzen die Verfolgten abgeurteilt worden sein sollen?

Der Vorwurf der Zauberei, der Teufelsverbundenheit und der Gotteslästerung hat jedenfalls keine weltlichen Ursachen und ist zudem mit einer säkularen Rechtsprechung absolut unvereinbar.

Wenn es sich um weltliches Recht gehandelt haben soll, dann fragt sich, was die Kirche unternommen hat, um das weltliche Unrecht abzumildern bzw. zu verhindern? Warum verfolgte die Kirche die Gegner der Hexen- und Ketzerverbrennungen als Hexen und Ketzer und lieferte diese wiederum somit der Hexen- und Ketzerverbrennung aus? Wie schützte die Kirche die Menschen, denen - von ihr! - Hexerei und Ketzerei vorgeworfen wurde?

Warum wurde der Hexenhammer vom Papst herausgebracht und nicht von einem weltlichen Fürsten? Zudem es weltliche Fürsten nicht gab, weil sich jeder Fürst dem Kirchenrecht unterzuordnen hatte, um nicht selbst in die Fänge der Inquisition zu geraten.

Warum stammen die entsprechenden Erlasse zur Verfolgung von Ketzern und Hexen ausschließlich von Klerikalen und nicht etwa von den Gegnern der Kirche?

Warum geht das Ende der Ketzer- und Hexenverbrennungen mit der Verdrängung der Kirche aus dem staatlichen Leben einher? Und warum begannen die Ketzer- und Hexenverbrennungen erst mit der vollständigen Machtübernahme durch die Kirche?

Ich denke, dass die aufrichtige Beantwortung dieser spontan verfassten Fragen genügt, um mit der Mär von der weltlichen Ursache für die Ketzer- und Hexenverbrennungen aufzuräumen. Jedoch weiß ich auch, welche Macht der menschliche Selbstbetrug und die mit ihm verwandten Komponenten ausüben? Der Sinn der Religion besteht im Bedürfnis des Menschen betrogen zu werden. Ketzerei ist nur ein anderes Wort für die Kriegserklärung an jene, die nicht länger betrogen werden wollen, aber auch an jene, die für sich eine andere Form des Selbstbetrugs einfordern. Religion und Vernunft sind zwei verschiedene Dinge, die sich einander abstoßen und ungleicher nicht sein können.

Wenn heute noch immer Kinder an ihren Genitalien verstümmelt werden, dann hat das für viel zu viele ja auch nichts mit Religion zu tun. Schließlich sind auch "weltliche" Ärzte daran beteiligt, ganz egal wie fromm die auch sind. Wenn heute in der Islamischen Republik Iran Frauen durch ein staatliches Gericht zum Tod durch Steinigung verurteilt werden, dann rufen bekanntlich die Mullahs im Chor: Blasphemie! Und es ist derselbe Geist und Menschenschlag, der uns nach jedem korangetreuen Terrorattentat noch immer zu erzählen wagt, dass der Islam nichts mit dem Islam zu tun hat und dass das "Allahu Akbar"-Gebrüll der Terroristen in Wirklichkeit die Kampfparole weltlicher Mohammedaner sei. Doch wie sagte es bereits Goethe in seinem Geniestreich namens Faust:
Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Kommentare:

  1. tja und Gretchen haben wir schongenug!

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  2. Also, ich benötige uman Gott glauben zu können weder Kirche, noch einen Hampelmann auf einer Kanzel... und ich muß dafür schon gar nicht zahlen! Und: wenn der Christ betet, dannimmer zum Lieben Gott - also muß es auch zumindest einen bösen geben! Ansonsten wäre das wie weißer Schimmel....

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