Mittwoch, 15. Juni 2016

Fußball-Krawalle: Deutsche Medien nennen Putin als Schuldigen

Als ich die Meldung (im Bild ist ein Auszug der Meldung von Spiegel-Online zu sehen) zum ersten Mal hörte, war ich darüber erstaunt. Ausgerechnet bei einer als Hochsicherheitsspiel eingestuften Begegnung soll so etwas möglich sein, dachte ich mir im stillen Kämmerlein. Nun gut. Mittlerweile sind die im Text erwähnten Festgenommenen verurteilt worden. Doch warum ist unter ihnen kein Russe zu finden?

Ein mir bekannter Russe veröffentlichte vorhin ein Bild im Netz, auf dem ein ganz besonderer der russischen Hooligans, die im Stadion geprügelt haben, zu sehen ist. Das besondere an dem Kerl ist, dass er ein Taras-Bulba-Tattoo auf dem rechten Oberarm trägt. Und nun wird es spannend. Taras Bulba, die zu internationaler Bekanntheit gelangte Romanfigur aus dem Jahre 1835, gilt bei den Anhängern des ukrainisch-nationalistischen Rechten Sektors als Held. Also bei jenen, die für ihren Hass auf Russen zu Bekanntheit gelangt sind und am Bürgerkrieg in der Ukraine aktiv teilnehmen.
Nun habe ich das Bild mit Hilfe des originalen Bildmaterials der ARD (UEFA) abgeglichen, um eine Manipulation von russischer Seite ausschließen zu können. Schließlich wird überall getrickst, was das Zeug hergibt. Das Ergebnis: Das Bild bzw. dieser Bildausschnitt ist mit den Originalaufnahmen identisch.
Taras Bulba in einer Darstellung von 1861

Das Tattoo des russischen Hooligans entspricht durchaus dem Klischee, das sich die internationale Kunstwelt vom Aussehen der Romanfigur Bulba gemacht hat. Von einer Romanfigur, die im Frankreich des Jahres 1936, also 101 Jahre nach ihrer Erfindung, zu Ruhm gelangen sollte, in dem sie dort verfilmt wurde. Im selben Jahr ließ der Föööhrer der Dritten Reichsdeutschen das Rheinland militärisch besetzen. Aber das soll wiederum hier und jetzt nicht das Thema sein.

Originalaufnahmen der UEFA (ARD)

Es mutet jedenfalls seltsam an, das trotz mehrerer Möglichkeiten kaum ein Russe festgenommen werden konnte und dass man die 40, die man Pressemeldungen zufolge doch festzunehmen vermochte, nicht identifizieren konnte, wollte, ...

Ein russischer Hooligan, der sich auf seinen Oberarm ein Symbol der verfeindeten Ukros verewigt hat, wirkt nun einmal auf mich wie eine St.Pauli Zecke mit Horst-Wessel-Kriegsbemalung.

Aus dem so eben Zusammengesponnenen ergeben sich zwangsläufig Fragen.
Handelte es sich etwa gar nicht um echte Russen? Oder hat sich ein echter Russe einer Tätowierung bedient, um so die Aufmerksamkeit auf die verfeindeten Ukros lenken zu können? Aufklebbare Tattoos wurden jedenfalls schon erfunden und letztendlich kann es sich auch um einen Überläufer aus den Reihen der Ukros gehandelt haben, doch gibt diese Tätowierung Rätsel auf.
Ausschnitt aus Die Zeit

Und dann fiel mir noch etwas merkwürdiges auf. Sowohl die Bilderberger Gazette "Die Zeit" als auch die mit ihr vernetzten Politredaktionen berichteten auf einmal so, als würde es sich bei den Krawallen um ein im internationalen Fußball als fast ausgestorben geltendes Phänomen handeln. 

Noch nie flogen Stühle durch die Gegend und das Tränengas war auch noch nicht erfunden? Wer so etwas schreibt, orientiert sich schon mal nicht allein an den Tatsachen. In diese Rubrik passt dann auch das scheinheilige Geschwätz des leitenden Frontberichterstatters der ARD, Jörg Schönenborn. Schönenborns Hang zur manipulatorischen Berichterstattung und seine antirussische Geisteshaltung dürften ohnehin hinlänglich bekannt sein.
"Wir sollten Zugang zu allen Bildern haben - das ist unsere Grundhaltung. Deshalb haben wir die UEFA aufgefordert, das sicherzustellen", sagte ARD-Teamchef bei der Europameisterschaft, Jörg Schönenborn. "Im Kern geht es um Glaubwürdigkeit. Es ist unglaubwürdig, wenn wichtige Ereignisse ausgeblendet werden."
Quelle: ARD
Schönenborn weiß um die Tatsache, dass sich die ARD in den letzten Jahren genauso wie die UEFA verhalten hat. Über Krawalle wurde gar nicht oder im Zweifel nur ganz am Rande berichtet. An dem Konzept hat sich die ARD spätestens seit der WM 2006 in Deutschland beteiligt, woraus sie in der Vergangenheit auch keinen Hehl gemacht hat.
Die BILD prescht schon mal vor - unterstützt wird sie dabei von ihren Kollegen aus den medialen Netzwerken

Damals, 2006, kamen die Leitmedien mit dem deutschen Innenministerium und der FIFA überein, nicht über Fußballkrawalle zu berichten, um dadurch Trittbrettfahrer fernzuhalten und den tatsächlichen Krawallbrüdern keine mediale Aufmerksamkeit zu schenken.

Dieses Konzept, das auch bei den Fußballgroßturnieren 2008, 2010, 2012 und 2014 erfolgreich zum Einsatz kam und an das sich auch die ARD durchweg beteiligte, versucht Schönenborn nun vergessen zu machen. Als ginge es der ARD schon immer einzig nur um ihre Glaubwürdigkeit und die damit verbundene umfangreiche Berichterstattung rund um König Fußball.

Was auch immer die russischen Schlachtenbummler - setzen wir einmal voraus, dass es sich um echte gehandelt hat - dazu bewogen hat, sich mit den englischen Schlachtenbummlern zu messen, dieses Vorkommnis allein der russischen Regierung anlasten zu wollen, zeugt jedenfalls nicht von der Einhaltung journalistischer Mindeststandards, sondern viel mehr von der politischen Vereinnahmung der zu Fußballgroßereignissen gehörenden Randerscheinungen.

Wenn man schon auf der Suche etwaiger Strippenzieher ist, warum sucht man dann nicht auch in Richtung der milliardenschweren russischen oder ukrainischen Oligarchen? Die dürften ein weit größeres Interesse an der Negativberichterstattung über Russland haben, als das von der russischen Regierung angenommen werden kann.

1 Kommentar:

  1. "Im selben Jahr ließ der Föööhrer ...."
    Nana, was können den die armen Föhrer dafür :-)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Föhr

    Ansonsten bitte am Ball bleiben und weiter so!

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