Montag, 18. Juli 2016

Quo vadis Türkei?

Was von den regierungsnahen Medien in Deutschland als Erhalt der Demokratie gefeiert wird, gelangt in der Karikatur unten bestens zur Geltung.
A. Grünwald ist Kommunist und Funktionär der Hamburger Friedensbewegung. Seine Eindrücke bezüglich des Putschversuchs in der Türkei und den darauf folgenden Ereignissen, die alles andere als planlos erscheinen, schildert er folgendermaßen:
Der Staatsstreich in der Türkei findet immer weitere Höhepunkte. Nachdem bereits über 6000 Personen verhaftet wurden, mehrere Tausend Richter und Staatsanwälte nach vorgefertigten Listen entlassen wurden, das gesamte Militär in seinen Offiziersbereichen "gesäubert" wird, ist jetzt auch die Polizei dran. Die türkische Zeitung Hürriyet meldet, dass über 7000 Polizeibeamte entlassen und entwaffnet wurden und weitere 750 Personen - übersetze ich es richtig? - aus dem Bereich der Inlandsgeheimdienste. Wohin marschiert die Türkei? Das Muster entspricht weitgehend dem eines genau geplanten faschistischen Staatsstreiches. Nicht nur im eigentlichen Machtbereich der bewaffneten Kräfte und der Justiz, sondern auch im ideologischen Bereich. Im politischen Bereich kann man sich indes Zeit lassen, denn die Oppositionsparteien sind im Vergleich zur AKP alle sehr schwach - außer in den kurdischen Gebieten. Ich bin mir nicht sicher mit meiner Einschätzung der gesellschaftlichen Entwicklung in der Türkei. Aber sie harmoniert mit einer zunehmenden Distanz türkischer Politik auch zur NATO.
Erdogan bedeutet Krieg und damit meine ich nicht nur die Möglichkeit eines Bürgerkrieges in der Türkei. Der Gröfaz vom Bosporus träumt von der Auferstehung des Großosmanischen Reiches. Es ist schlichtweg unmöglich, dieses Ziel mit friedlichen Mitteln zu erreichen. Darüber hinaus sind die Parallelen zur Entwicklung in Deutschland nach 1933 unverkennbar, um nur ein Beispiel bemühen zu wollen.

Die Kräfte um Merkel sind nicht trotz, sondern wegen der Entwicklungen in der Türkei mit Erdogan verbündet. Es sind dieselben Kräfte, die auch schon Weltkrieg I und II vom Zaun gebrochen haben. Zu dieser Ansicht lässt es sich ohne weiteres gelangen, wenn man die besondere Partnerschaft zwischen der Türkei und Deutschlands im Verhältnis zur globalen Entwicklung betrachtet und dabei die Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht ausklammert.

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