Dienstag, 13. Oktober 2015

Wahlen in Weißrussland: Was im Westen verschwiegen wird

Im Bewusstsein des deutschen Bildungsbürgertums handelt es sich bei Weißrussland (Belarus) um die “letzte Diktatur in Europa“. Zwar kennt der Bildungsbürger meistens noch nicht einmal den Namen der weißrussischen Hauptstadt, doch meint er das Land in und auswendig zu kennen. Schließlich hält er sich für den Aufgeklärtesten unter den Aufgeklärten. Dank all der Medien und seiner chauvinistischen Einbildungskraft.

In Weißrussland wurden vergangenes Wochenende Wahlen abgehalten. Die Qualitätsmedien sahen wieder überall Wahlbetrug, doch konnten sie auch dieses Mal keinen Beweis hervorbringen. Es war also wie immer, wenn es um Weißrussland geht. Vier von fünf der abgegebenen Stimmen fielen auf den amtierenden Präsidenten Lukaschenko. Und jetzt wird's interessant, auf Platz 2 in der belarussischen Wählergunst landeten die, die “gegen alle“ gestimmt hatten.

Im Gegensatz zu Deutschland und allen anderen Vorzeigedemokratien des Westens werden in Weißrussland die Nichtwähler nicht einfach übergangen, sondern ihre Stimmen erlangen Gewicht. In Weißrussland haben alle Wähler die Möglichkeit “gegen alle“ zu wählen, wenn sie der Meinung sind, dass keiner der Kandidaten ihren Interessen und Ansprüchen gerecht werden wird. Demokratischer geht es nicht. Zudem ist kein Wähler genötigt, das “kleinere Übel“ zu wählen, damit seine Stimme nicht verfällt.

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