Montag, 7. Februar 2011

Münchner Heuchelei

Gastkommentar. Die Sicherheitskonferenz und Ägypten
Von Sevim Dagdelen (Junge Welt)
Sevim Dagdelen ist Sprecherin für internationale Beziehungen der Linksfraktion im Bundestag. 
Die Münchner Sicherheitskonferenz hat ihre Tagesordnung kurzfristig geändert. Der Nahe Osten bestimmt die Agenda. Ihr Vorsitzender, Wolfgang Ischinger, läßt sich zu den Unruhen in der arabischen Welt mit den Worten zitieren: »Das ist eine schwierige Gratwanderung für den Westen.« Bundesaußenminister Guido Westerwelle entfaltet hektische Aktivitäten, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will die deutsche Politik gegenüber Diktatoren überdenken, Rüstungsexporte nach Ägypten werden eingefroren.
Was ist davon zu halten? Diejenigen, die die Diktatur Hosni Mubaraks und seiner Clique 30 Jahre unterstützt haben, lassen jetzt ihren Schützling fallen. Dabei hat Westerwelle* noch vor kurzem gesagt, Mubarak sei ein »Mann mit enormer Erfahrung, großer Weisheit und die Zukunft fest im Blick«.
Es ist der Gipfel der Heuchelei. Nun, da ihre Diktatorenfreunde in Schwierigkeiten stecken, versuchen sie, die Öffentlichkeit zu täuschen. Westerwelle und Co. unternehmen alles, um Mubarak zu retten bzw. seinen willfährigen Stellvertreter Omar Suleiman zu installieren. Der war 20 Jahre Geheimdienstchef in Ägypten und ist mithin direkt verantwortlich für Folter und politische Morde.
Worum geht es ihnen, wenn sie Diktaturen unterstützen, ob in Äthiopien oder in Saudi-Arabien? Sie selbst sagen, es gehe um Stabilität. Stabilität wofür? Um einen entfesselten Kapitalismus, und Profite und Extraprofite, nach denen das Kapital ruft, durchzusetzen.
Es ist eine Schande, daß die Partei des tunesischen Diktators Zine El Abidine Ben Ali jahrzehntelang Mitglied der Sozialdemokratischen Internationale war – bis sie wenige Tage nach seiner Flucht ausgeschlossen wurde. Nicht nur Schwarz-Gelb, auch Rot-Grün hat die arabischen Diktatoren immer unterstützt.
Und die großen Medien haben die Despoten mit Samthandschuhen angefaßt. Mittlerweile entschuldigen sich die Öffentlich-Rechtlichen für ihre verfälschte Berichterstattung über Ägypten in den vergangenen Jahrzehnten. ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke, verantwortlich für Tagesschau und Tagesthemen, räumt ein, es sei »nicht hinreichend gewürdigt« worden, daß »in Ägypten Ausnahmerecht herrscht«. Das ist der blanke Hohn, unterbleibt im Ersten doch gleichzeitig eine kritische Berichterstattung aus München. Wie lange wird es dauern, bis ein Herr Gniffke eines Tages erklärt: »Nicht hinreichend gewürdigt« worden sei, daß »auf der Sicherheitskonferenz die Unterstützung von Kriegen und Diktatoren verabredet wird«?
In den arabischen Ländern machen sich mutige Menschen für Freiheit, Demokratie und Frieden auf und für den Sturz der vom Westen jahrzehntelang unterstützten Regime. Von Linken und Friedenskräften in diesem Land muß ein deutliches Signal nach Tunis, nach Kairo, nach Sanaa, nach Amman, nach Casablanca und auch nach Riad gehen: Wir stehen an eurer Seite. Deshalb: Freiheit statt Krieg und Kapitalismus.

* Und er hat vor kurzem noch Urlaub in Ägypten gemacht. 

Allerdings bin ich der Meinung, daß Mubarak zwar entsorgt gehört, es aber schlichtweg ein Irrtum aller Protestbewegungen in der arabischen Welt ist, davon auszugehen, daß die Lösung der Probleme in der Absetzung der Diktatoren zu finden ist. Es ist und bleibt eine Systemfrage. Oder um es frei nach Brecht zu sagen; die Schweine ändern sich, der Trog nicht. 
Es ist schlichtweg Nonsens, zu glauben, ein Rücktritt und Neuwahlen würden die Machtverhältnisse grundlegend ändern. Wer das glaubt, denkt zu naiv.

Samstag, 5. Februar 2011

Hilfe, diese falsche Konsumpropaganda ist kaum noch zu ertragen

(c) JJahnke.net
Da vermeldet die Gesellschaft für Konsumforschung unter der Schlagzeile "Konsum 2011 - Deutschland im Höhenflug":
"Wie von der GfK prognostiziert, stieg der private Konsum im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent an. Für 2011 erwarten die Marktforscher bei den Ausgaben der Privathaushalte eine deutliche Steigerung um 1,5 Prozent und somit einen soliden Beitrag zum Aufschwung. Im europäischen Vergleich sind die Deutschen mittlerweile die mit Abstand größten Konsum-Optimisten."
Und SPIEGEL-online macht unter einer ähnlich aufgeblasenen Überschrift "Konsumboom - Deutsche mögen es gut und teuer" daraus:
"Die Krise ist vorbei, die Deutschen kaufen wieder ein: Laut einer GfK-Studie zieht der Konsum kräftig an. Dabei kaufen die Verbraucher nicht unbedingt mehr, sie achten aber stärker auf Qualität - und das kostet."
Dabei ist der Einzelhandelsumsatz zwischen Juli und Dezember 2010 um mehr als 3 % gefallen, während das von der GfK angeblich durch Umfragen festgestellte Konsumklima im gleichen Zeitraum um fast 53 % gestiegen sein soll (Abb. 14696). Haben die noch alle Tassen im Schrank? Was sind das für Journalisten, die solchen Mist auch noch weiter aufblasen?
(anklicken = vergrößern)

Freitag, 4. Februar 2011

Von den realexistierenden Menschenrechten...

Es folgt ein Kommentar zum lesenswerten Artikel von T. P., der auf "therealstories" unter der Überschrift "Unsere Verantwortung im Umgang mit Informationen in unserer Gesellschaft und dem bestehende Informationskrieg 1.0" erschienen ist:
Ein Geschehen, drei mögliche Sichtweisen.

Tobias, ich denke, Du bist auf den richtigen Weg, was Deine Lebenseinstellung betrifft.
Auch wenn ich nicht zu 100% mit Deiner Sichtweise übereinstimme, was an meinen Erfahrungen und Informationen liegt, gefällt mir besonders Deine Art zu hinterfragen und zu zweifeln. Was ist Wahrheit? Niemand wird sie jemals finden. Und dennoch sollten wir uns stets auf der Suche nach ihr befinden. Diese Suche schützt uns vor der Lüge, was heißen soll, daß wir die Lügen besser erkennen.
Zwei Wahrheiten können sich nie widersprechen. – Galileo Galilei
Du hältst Dich an das Menschenrecht. Das ist Dein Recht. Doch wie verhält sich dieses Menschenrecht zu den 10 Geboten, an denen Du Dich ebenso halten möchtest. Gebot 1 widerspricht in unüberbrückbarer Weise der Religionsfreiheit. Zudem die Menschenrechte ein ehrenhaftes Ideal bedeuten, aber (derzeit) auch nur das. Ideale sind Ziele. Hat man diese erreicht, werden andere Ziele gesteckt. Denn die Welt ist stets in Bewegung. In der Praxis sieht es mit den Menschenrechten sehr düster aus. Weder halten sich alle Menschen an ihnen, was die Grundvoraussetzung für diese Rechte entsprechen würde, noch ist das Menschenrecht zugleich Menschenpflicht. Eine Pflicht, die notfalls über alle erdenklichen Sanktionen eingefordert werden könnte. Davon sind wir Lichtjahre entfernt. Was also bringt uns die einseitige Einhaltung eines Ideals? Wollen wir wirklich jedem diese Rechte gewähren? Selbst denen, die sie tagtäglich zertreten und uns diese Gesetze niemals zugestehen würden? Das sind berechtigte Fragen, wenn einem diese Menschenrechte etwas bedeuten. Oder geben wir nur diese Rechte, ohne sie zu nehmen? Oder nehmen wir sie nur in Anspruch, ohne sie zu gewähren? Ich für meinen Teil, würde niemanden irgendein Menschenrecht gewähren, der nicht auch dazu bereit ist/war, diese Gesetze anderen zu gewähren. Mit anderen Worten: wer diesen heiligen Bund nicht angehört, bleibt von diesem Bund ausgeschlossen.
Würde das nicht sonst in dieser Welt zur Selbstaufgabe führen müssen?
Weshalb soll sich ein Gläubiger, der sich im Besitz des einzig wahren Glaubens wähnt, hinter der Fassade der Religionsfreiheit verstecken dürfen, um seinen Irrglauben geschützt zu wissen?
Weshalb soll ein nachgewiesener Mörder das Recht auf Leben beanspruchen dürfen? Weshalb soll ein Sklaventreiber sich hinter die Würde des Menschen verstecken dürfen?
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Als würde der Mensch nicht antastbar sein?
Wie sieht es in der Praxis des Lebens aus? Diese Rechte gelten, wenn überhaupt, nur für sehr sehr wenige Menschen. Zu oft bedeuten sie lediglich nur den Schutz der Täter vor der Gefahr, daß sich ihre eigene Verderblichkeit in barer Münze auszahlen könnte.
Wer Kriege führt (auch Informationskriege), sollte darauf bedacht sein, diese zu gewinnen. Zumindest muss man sich dem Gegner anpassen. Um ihn zu besiegen, muss man mit noch besseren Wassern als er gewaschen sein. Dem Gegner die ungeschützte Seite freizugänglich zu präsentieren, führt garantiert zur Niederlage.
Ich halte nichts davon, einem Pazifisten eine Waffe in die Hand zu geben. Der Gegner würde somit eine weitere Waffe geschenkt bekommen. Dies ist als Gleichnis zu verstehen.
Wir sollten unsere Überzeugungen immer an der kurzen Leine führen, während wir unserem Zweifel freien Lauf lassen. – zitiert nach Peter Ustinov
Über den moralischen und ethischen Wert der 10 Gebote möchte ich mich gar nicht erst äußern. Diese Äußerungen wären vernichtend für diese mosaische Pseudomoral…

Donnerstag, 3. Februar 2011

Der Ausdruck Pädophilie bedeutet einen weiteren Missbrauch

Folgenden Kommentar habe ich auf die Schnelle zum Artikel "Wie auch die taz früher Pädophilie bagatellisierte" verfasst. Es tut weh, wie engstirnige Unverbesserliche beständig die Sprache missbrauchen und somit die gesamte Menschheit für ein natürliches Verhalten beleidigen:
Pädophilie bedeutet Kinderfreundlichkeit bzw. Kinderliebe.
Das Wort wird im Zusammenhang mit den sexuellen Gelüsten strafbewährter Erwachsener zweckentfremdet und ist keineswegs allein auf diese Sexualvariante beziehbar. Es ist eine Schande, daß dieses Wort auf diese Weise missbraucht wird. Was die "Schnacker" meinen, bedeutet Pädosexualität. In Fachkreisen wird seit langem das Wort pädosexuell benutzt. Nur in den Medien und beim Plebs scheint dieser Unterschied ohne Bedeutung zu sein.
Wer Pädophilie mit Sexualkannibalismus verwechselt, diskreditiert jeden gesunden Menschen und sein Verhalten. Denn Pädophobie, also das Gegenteil, wäre der Untergang jeder Spezies.
Wer für Pädosexualität das Wort Pädophilie verwendet, verwendet die Sprache der Täter.
Und zu guter Letzt sollte man sich der klaren und ausdrucksstarken deutschen Sprache erinnern, wenn man mit fremdsprachigen Ausdrücken nur Nonsens treibt.
Nachtrag:
Ein passender Vergleich. Wie nennt man einen Literaturfreund oder Buchliebhaber auf Altgriechisch?
Bibliophil.
Der Ausdruck "bibliophil" wird zwar dahingehend nur von Pseudointellektuellen verwendet, wenn sie in öffentlichen Selbstgesprächen zur Befriedigung ihres verminderten Selbstbewußtseins aufzutrumpfen (hierzu gehören glücklicherweise mindestens zwei Personen) gedenken, doch ist hierbei ein Vergleich zum Ausdruck "pädophil" angebracht.
Unter einem "bibliophilen" Menschen versteht man nach wie vor den Liebhaber des gedruckten Wortes.
Doch was wäre, wenn man dieses Wort schlichtweg und allgemein gebräuchlich nur noch für die Macher des "Index Katholica", die Bücherverbrenner des Dritten Reiches oder die Bundesprüfstelle verwenden würde?
Es würde mich noch nicht einmal wundern, wenn es in unseren Tagen auch Leute gibt, die ihre vermeintliche sexuelle Befriedigung (Fetisch) nur dadurch erreichen können, wenn sie Bücher in tausende Schnipsel zerreißen täten.
Wenn dann allein solche Gestalten als "bibliophil" bezeichnet werden würden, wie wollen wir dann noch irgendeine wahre "Leseratte" bezeichnen? Oder würden wir uns dann dagegen wehren, daß man uns Bücherfreunde sprachlich in einen Topf mit den Büchervernichtern zu stecken gedenkt? Würden wir uns dann selbst in diesen Topf stecken? Ich meine nein. Zumindest nicht, wenn man nicht unter akuter Geistesschwäche leidet...
Ich bekenne mich - ich bin bibliophil (Bücherfreund), wie ich auch pädophil (kinderlieb) bin. Ich würde weder einem Buch und noch viel weniger einem Kind Schaden zufügen. Eben, weil ich dies im Sinn dieser Wörter bin und nicht dem orwellschen Modediktat unterliege.
Klären wir die Leute auf.
Wer nach der erfolgten Aufklärung dieses Wort immer noch missbräuchlich verwendet, soll seine Ernte dafür erhalten.
Das Prädikat "verblödet" oder "Täter" tragen zu müssen, wäre immer noch gerechter, als weiterhin alle (rechtschaffenden) gesunden Menschen zu kriminalisieren und vor allem abzuwerten.

Der Sinn des Gebens

Who the fuck is the Homo oeconomicus? Stefan Klein untersucht den Zusammenhang von Solidarität und Glücksgefühlen
Von Frank Ufen (Junge Welt) - Ergänzung zu "Was machte den Mensch zum Menschen?"
Apfel, Mama, Kind: Tiere sind viel größere Egoisten als gedacht, Foto: Reuters
Von Zeit zu Zeit haben die Schimpansen in Westafrika Appetit auf fleischliche Kost, und sie versuchen, einen Stummelaffen zu erlegen. Sie veranstalten dann spontan eine regelrechte Treibjagd, die damit beginnt, daß ein Mitglied eines Schimpansentrupps einen Stummelaffen auf einen Baum scheucht. Unterdessen erklimmen die anderen Jäger von mehreren Seiten den Baum, um dem Opfer den Fluchtweg abzuschneiden. Wenn der Stummelaffe schließlich zur Strecke gebracht worden ist, denken die Schimpansen nicht im Traum daran, die Beute gerecht unter sich aufzuteilen. Statt dessen erhält jeder einzelne so viel, wie er ergattern kann. Wieviel er jeweils zum Erfolg der Jagd beigetragen hat, spielt nicht die geringste Rolle.
Daß Schimpansen ihren Artgenossen freiwillig etwas abgeben, erklärt der Wissenschaftsjournalist Stefan Klein, kommt nur äußerst selten vor. Selbst die Mütter zeigen sich knauserig, wenn ihr eigener Nachwuchs bei ihnen um Nahrung bettelt, und wenn sie überhaupt etwas herausrücken, dann handelt es sich in der Regel um minderwertige Stücke. Nicht der Mensch, behauptet Klein, verhält sich so, wie es der Homo oeconomicus angeblich tut, sondern der Schimpanse.
Schimpansen tun sich zwar schwer damit, ihre Handlungen aufeinander abzustimmen und die Verteilung der gemeinschaftlich erbeuteten Nahrung einigermaßen fair zu regeln, Wenn es die Umstände allerdings erfordern, können sie sehr fürsorglich miteinander umgehen. So bilden die Schimpansen im Taï-Nationalpark (Elfenbeinküste) eingeschworene Gruppen, die ihnen Schutz bieten gegen die ständigen Angriffe der Leoparden. Wird ein Mitglied einer Gruppe im Kampf gegen die Raubkatzen verletzt, kümmert man sich um seine Wunden und pflegt es in schlimmeren Fällen wochenlang. Kommt jedoch eine Schimpansenmutter ums Leben, nehmen sich ihre Geschwister oder auch nicht zu ihrer Familie Gehörende des Nachwuchses an und adoptieren ihn.

Allzumenschliches...

Es ist gewiss ehrenwert, die Schwachen zu schützen. Aber es ist töricht, das Schwache zu züchten.
Jede Antidiskriminierungskampagne bedeutet bei klarem Verstand zugleich eine Diskriminierung. Medaillen haben nun einmal zwei Seiten. Dagegen kann auch kein Zeitgeist etwas ausrichten. Auch nicht der Zeitgeist des Nihilismus, also der Allesverneinung.
Dieser Zeitgeist wird in folgendem Gastbeitrag auf die Schippe genommen.
Und? Ja, das altbewährte Sprichwort, demnach getroffene Hunde bellen, hat seine Gültigkeit. Dieses Sprichwort unterliegt keiner Mode. Dafür ist es seit zu vielen Generationen erfolgreich weitergegeben worden. Nicht ohne Grund. Doch welche Hunde werden bellen? Außer die politisch korrekten Berufsverneiner...?
Man muss diesen Text auch nicht vollständig bejahen, um anerkennen zu wollen, daß eine gewisse ideologische Modeströmung witzig beschrieben wird...
Erste Bonobo-Frau zur Professorin berufen!
Mannbar:
Frau Professor Gutz-Apfelstock, Sie haben -
Gutz-Apfelstock:
- ProfessorIn, bitte -
Entschuldigung, also Frau Professorin Gutz-Apfelstock, Sie haben eine neue Kollegin an Ihrer Uni, welche gegenwärtig für Furore sorgt.
Ach, inwiefern denn?
Als ich das Bild Ihrer Kollegin gesehen habe, kam es mir spontan über die Lippen: Das ist doch kein Mensch, das ist ein Affe.
Wenn schon, dann eine Äffin. Aber natürlich verbitte ich mir eine derartige Bezeichnung, die ist schlichtweg diskriminierend. Frau Pofessorin Pulheim ist eine Bonobo-Frau, das ist alles.
Ich glaubte zunächst, das Wort Bonobo bezeichne eine Ethnie in Afrika oder im südlichen Asien, bis mir jemand sagte, es bezeichne vielmehr eine Unterart der Schimpansen, also Menschenaffen.
Vollkommen richtig, Frau Pulheim gehört zu den Menschenaffen, den Hominiden, so wie Sie und wie ich auch. Schimpansen, darunter Bonobos, sowie Gorillas, Orang-Utas und Menschen im engeren Sinne werden zusammengefaßt unter dem Oberbegriff Menschenaffen. Frau Pulheim ist also eine Persönlichkeit wie Sie und ich. Sie sieht nur etwas anders aus, das gebe ich zu. Wir sollten uns über ihre Herkunft und Abstammung jetzt aber nicht weiter unterhalten.
Gut, eine andere Frage: Kann Frau Pulheim sprechen und denken?
Natürlich kann sie das. Ich sagte doch schon - es ist auch anerkannter Stand der Wissenschaft -, daß wir gemeinsam den Hominiden angehören, also im Grunde gleich sind. Es gibt einfach keinen Grund, daß wir Menschen uns als etwas Höheres hinstellen.
Entschuldigen Sie, daß ich nachhake, aber ich vermute, daß ich Frau Pulheim eventuell nicht verstehen würde, wenn ich bei ihr im Hörsaal säße.
Das Problem haben Sie doch mit einigen anderen Dozentinnen und Dozenten auch. Dafür gibt es technische Hilfen.
Könnten wir es so ausdrücken, daß Frau Pulheim sehr stark behindert ist?
Nein, Frau Pulheim ist völlig gesund, vielleicht sogar gesünder als wir alle. Allerdings ist sie benachteiligt, wenn Sie so wollen, so wie viele andere Hominiden auch. Und dagegen können wir und wollen wir etwas tun. An unserer Universität haben wir damit den Anfang gemacht, ein Zeichen gesetzt, und wir sind stolz darauf.
Wann, glauben Sie, wird denn Frau Pulheims Benachteiligung ausgeglichen sein? Und wieviel würde das - so in etwa - kosten? Der Etat Ihrer Uni ist ja gegenwärtig sehr begrenzt. Wie es heißt, fehlt es an geeigneten Dozenten, Lehrmitteln, ja selbst an Gebäuden.
Frau Pulheim ist eine geeignete Dozentin! Und was die Kosten betrifft, da machen Sie sich mal keine Sorgen. Antidiskriminierung hat ihren Preis, und wir stehen zu unserer Entscheidung. Wer eine menschliche Gesellschaft will, muß die menschliche überwinden.
Wie war das?
Pardon, wer die hominide Gesellschaft will, muß die menschliche überwinden, so muß es natürlich heißen. Wir denken ja in einem erweiterten Rahmen.
Hat Frau Pulheim sich denn beschwert, daß sie benachteiligt würde?
Wie sollte sie darauf gekommen sein, wenn sie benachteiligt ist? Das ist doch das Perfide an der Benachteiligung, daß die Betroffenen das anfangs nicht einmal wissen, ja mit ihren Umständen zufrieden sind, weil sie Anderes gar nicht kennengelernt haben. Aber wir haben es ihr natürlich gesagt. Und ich glaube, sie hat es verstanden.
Aha. - Ja. - Welches Fach unterrichtet Ihre Kollegin eigentlich?
Das steht in ihrer eigenen Entscheidung. Wir lassen sie da völlig frei. Bonobos haben ja seit Millionen Jahren keine Möglichkeit gehabt, frei zu entscheiden.
Im aktuellen Vorlesungsverzeichnis habe ich ihren Namen nicht gesehen.
Das ist aber kein Grund, nicht in ihre Vorlesungen zu gehen. Wenn eine ansteht, dann werden wir das rechtzeitig ankündigen.
Ist Frau Pulheim - äh, eine andere Frage. Beabsichtigt die Universität, noch mehr Bonobos einzustellen?
Ja natürlich, mindestens 40 Prozent. Später werden wir den Prozentsatz erhöhen, um einen Ausgleich zu schaffen für die bisherige Benachteiligung.
Ich könnte mir vorstellen, daß die Studenten protestieren werden, weil sie etwas lernen und ihre Abschlüsse machen wollen. Haben Sie auch schon mal daran gedacht? Seitens der Studentenvertreter ist ja bereits von zu organisierenden Streiks die Rede.
Gutz-Apfelstock:
Das Gespräch ist hiermit beendet.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Von der sogenannten Leistungsgesellschaft...

Das ahnungslose Stimmvieh im Lande glaubt immer noch an die gebetsmühlenhaft gepredigte Leistungsgesellschaft. Dieses Wort ist Verachtung und Hohn, aber auch verlogen zugleich.
Nehmen wir nur die vermeintliche Elite in der Politik in Augenschein, müssen wir feststellen, daß sich diese "Elite" weder aus elitären Elementen zusammensetzt, noch durch Leistung, Sachverstand oder erforderlicher Bildung hervorhebt. In fast allen Fällen ist das Gegenteil der Fall. Ob Roth, Merkel, Seehofer, Westerwelle usw. - diese Figuren glänzen durch alles andere, aber nicht durch das, was den Anforderungen ihrer Ämter (aus Sicht des Volkes!) auch nur annähernd entsprechen würde. Der Gedanke, daß es sich bei diesen Figuren um das letzte Aufgebot, also den Volkssturm Antivolkssturm der Oligarchen handelt, ist keineswegs abwegig, hört man diesen Gestalten zu und betrachtet vor allem deren Schaffen. Dieses politische Hausierertum zeichnet sich nicht durch Intelligenz und Sachverstand aus, sondern durch das Funktionieren in diesem System. Hierbei funktionieren diese Figuren auf ihre Weise. Opportunismus, mangelnde Algemeinbildung, Karrieresucht, Egozentrismus, Verlogenheit, Korruption, Kriminalität, Geltungssucht und ideologische Wahnvorstellungen lassen sich bei diesen Figuren bestens nachweisen. Solche Figuren, und das lässt sich nicht nur in der Politik, sondern überall in der Gesellschaft feststellen, wissen um ihre Unfähigkeit. Sie wurden durch Umstände in Schlüsselpositionen befördert, die sie nicht zu verantworten haben. Dementsprechend klammern sich diese Figuren an ihre Pöstchen und beißen zum Zwecke ihres Machterhaltes jeden besser geeigneten Kandidaten weg. Diese Auslese findet im Interesse der wirklich Mächtigen statt. Sie dient dem Erhalt des Systems.
Hier sollte der Bürger im eigenen Interesse ansetzen. Er sollte die nötigen Anforderungen an "seine" Vertreter, entsprechend deren angetragenen Aufgaben, kompromisslos abverlangen. Alles andere führt in die Sackgasse. Und diese Sackgasse bedeutet nicht das gepredigte Mittelmaß, sondern liegt stets und weit unter diesem. Mittelmaß würde angesichts dieses gesellschaftlichen Nihilismus noch Höchstmaß bedeuten. Diese Sackgasse führt zwangmäßig in den Untergang und demzufolge auch in die Vernichtung des allgemeinen Wohlstands.
Was wir benötigen, sind nicht selbsternannte Eliten, sondern wahre Eliten. Eine wahre Elite kennzeichnet ihr Handeln und nicht lediglich das Innehaben eines Amtes aus.
Verweigert euch den Ritualen (z.B. Wahlen) dieser gesellschaftlichen Suizidkommandos. Es geht um eure Zukunft und die Zukunft eurer Kinder. Es geht um den Sieg im längst entfachten gesellschaftlichen Bürgerkrieg.
Sich ein Recht zu erkämpfen, ist nicht schwer. Sich dieses Recht zu erhalten, dagegen sehr.
Diese Zeit lässt keine "neutrale" Haltung zu. Es gibt nur die Entscheidung darüber, "dagegen" oder "dafür" zu sein. Jede vermeintliche "Neutralität" bedeutet die Entscheidung, für die Herrschenden zu sein. Diese "Neutralität" mag aus Unwissenheit, Gleichgültigkeit, Oberflächlichkeit, Angst, Feigheit oder was auch immer erwachsen sein - an ihrer gesellschaftlichen Bedeutung wird dies nichts ändern.

Hier noch ein kleines Schmankerl darüber, auf welchem Niveau sich die politische "Elite" in diesem Land befindet. Und keine Bange, dieses Video stellt keine Ausnahme dar - es ist die traurige und leidliche Regel!