Sonntag, 15. März 2015

Einflußreicher US-Stratege Friedman äußert sich über die Ziele der USA im Ukraine-Konflikt



Der Chicago Council on Global Affairs (CCGA) nimmt eine Vorreiter-Rolle in der US-Außenpolitik ein.
Im Beitrag ist kein geringerer als der Gründer und Chef des "privaten Geheimdienstes" Stratfor, George Friedman, zu hören.
Hier eine Zusammenfassung seiner Aussagen:
  • Kriege werden auch in Zukunft das Zusammenleben der Menschheit bestimmen
  • der Zweite Weltkrieg forderte 100.000.000 Tote (Kommentar dazu weiter unten)
  • Europa wird Austragungsort für Kriege bleiben
  • die USA unterhalten keine Beziehungen zu "Europa" (€U), sondern zu den einzelnen europäischen Staaten
  • der Islamismus ist keine ernsthafte Bedrohung für die USA; die USA sollen sich mit dem Islamismus "angemessen befassen"; die USA verfolgen aber "andere außenpolitische Interessen":
  • das Hauptinteresse der Außenpolitik der USA in den letzten 100 Jahren (Weltkrieg I und II, Kalter Krieg) galt der Beziehung zwischen Deutschland und Russland; Deutschland und Russland im Verbund sind die einzige Macht, die zur wirklichen Bedrohung für die USA werden könnte; dies zu verhindern, war und ist das Hauptinteresse der USA
  • die USA sind für die (heutige) Ukraine der einzige wirkliche Stützpfeiler
  • Ben Hodges, Oberbefehlshaber der US-Besatzungstruppen in Europa, war zu Besuch in der Ukraine und kündigte dort an, dass die USA sich demnächst mit ihren Militärs offiziell am Krieg in der Ukraine beteiligen werden; Hodges überreichte ukrainischen Soldaten amerikanische Orden, um den Soldaten zu zeigen, dass die ukrainische Armee Teil der US-Armee ist; dabei missachtete Hodges die Vorschriften zur Verleihung von US-Orden
  • nach Hodges Besuch begannen die USA die baltischen Staaten, Polen, Rumänien und Bulgarien mit "Waffen, Artillerie und andere Militärausrüstungen" zu beliefern; gestern (3.2.2015) haben die USA verkündet, dass diese Waffen für die Ukraine gedacht sind; zwar haben die USA dieses Vorhaben anschließend dementiert, sie setzen es dennoch um
  • bei all diesen Handlungen operieren die USA außerhalb der NATO, weil NATO-Entscheidungen von allen Mitgliedsländern einstimmig beschlossen werden müssen
  • die USA bauen um Russland herum ein "cordon sanitaire" ("Sicherheitsgürtel") auf, um Russland zwar nicht zu zerstören, doch um Russland "Schäden zufügen" zu können
  • die €U ist innerlich gespalten
  • die Ukraine wird alles tun, um der US-Politik gerecht zu werden
  • die USA bekriegen die Völker weltweit, um die Weltherrschaft zu sichern und auszubauen; die "schöne Sache" daran ist, dass all diese Länder die USA wegen ihrer geographischen Lage nicht angreifen können; deshalb dürfen die USA nicht zulassen, dass irgendein anderes Land so wie sie selbst die Ozeane und den Weltraum kontrollieren kann; der beste Weg, dies zu ermöglichen, ist die Verhinderung, dass andere Staaten überhaupt eine entsprechende Flotte bauen können
  • die Briten stellten die Verhinderung des entsprechenden Flottenbaus der anderen Europäer einst sicher, in dem sie die Europäer gegeneinander aufhetzten und sich bekämpfen ließen
  • Friedman favorisiert die Politik Reagans, die dieser in Irak und Iran praktizierte; Reagan belieferte beide Staaten mit Waffen, damit sie in den Jahren 1980-1988 gegeneinander Krieg führen konnten und so nicht gegen die USA kämpfen konnten
  • die USA sind nicht in der Lage, ganz Eurasien zu besetzen, sie können wie im Irak geschehen eine Armee zerschlagen, aber nicht das Land besetzen
  • die USA sind nicht in der Lage, überall Krieg zu führen, aber sie sind dazu in der Lage, die gegeneinander kämpfenden Mächte zu unterstützen, damit diese sich auf sich selbst konzentrieren müssen - in Ausnahmefällen werden die USA Militärschläge wie in Irak, Afghanistan, Vietnam ausüben; nicht, um den Feind zu besiegen, sondern um ihn aus der "Balance" zu bringen
  • wenn die USA einen Staat durch einen Militärschlag aus der Balance geworfen haben, sollten sie sich künftig zufrieden mit ihrem Werk zurückziehen und nicht in diesen Ländern verbleiben, um dort eine staatliche Ordnung nach ihren Vorgaben zu installieren
  • die USA sollten überlegte und kurze Kriegshandlungen durchführen, aber keine aufgeblasenen, da sie eben nicht die ganze Welt besetzen können - als Beispiel führt Friedman die britische Politik in Indien an: England war nicht dazu in der Lage ganz Indien zu besetzen, also spalteten sie Indien in mehrere Staaten auf und ließen sie gegeneinander kämpfen
  • die USA können nicht alle Länder besetzen, dazu sind sie nicht in der Lage, deshalb müssen sie die unterworfenen Länder mit ihren Agenten infiltrieren und von ihren Vasallen regieren lassen
  • die USA sind zwar ein Imperium, sie können sich aber mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden geben, da sie erst "im dritten Kapitel des Buches" angelangt wären
  • Friedman sieht das Ende der €uro-Währung
  • für Russland stellt der Status der Ukraine eine Überlebensfrage dar, Russland wünscht sich die Ukraine als möglichst neutrale Pufferzone zwischen sich und dem US-Imperium, Russland will ein weiteres Vordringen des US-Imperiums verhindern, daher kann es Russland nicht dulden, dass in der Ukraine NATO-Truppen 100 km vor Stalingrad und 500 km vor Moskau stationiert werden
  • die USA versuchen durch ihre Intervention in der Ukraine den weiteren Aufschwung Russlands zu verhindern, Russland soll mit Hilfe des Ukrainekonflikts ausbluten
  • die USA verfolgen das bereits von Pilsudski ausgearbeitete Konzept eines "Intermarium" als derzeit bevorzugte Lösung
  • Friedman bezeichnet für den Fall, dass die USA das "Intermarium" erschaffen werden, die deutsche Politik als "reale unbekannte Variable in Europa", da die USA nicht einschätzen könnten, wie sich Deutschland dann verhält. Er begründet das mit dem "sehr komplexen Verhältnis" der Deutschen zu den Russen. Deutschland hat einerseits ein Interesse an gute Beziehungen zu Russland, andererseits will es seinen Einfluß auf die osteuropäischen Staaten wie die Ukraine nicht verlieren.
  • es sei weiterhin das Hauptziel der USA zu verhindern, das sich "deutsches Kapital und deutsche Technik mit den russischen Rohstoffen und der russischen Arbeitskraft zu einer einzigartigen Kombination verbünden könnten"
  • die USA beabsichtigen diese deutsch-russische Kombination zu verhindern, in dem sie das "Intermarium" errichten werden
  • die entscheidene Frage im Ukraine-Konflikt ist für Russland, ob die Ukraine ein neutrales und kein "pro-westliches" Land sein wird; Weißrussland ist dabei ein eigenes Kapitel
  • wer Friedman die Haltung der Deutschen voraussagen könnte, der könne ihm auch die tatsächliche Entwicklung der Welt in den nächsten 20 Jahren voraussagen; "unglücklicherweise" müssten die Deutschen "immer wieder eine [derart gewichtige] Entscheidung treffen", was für Friedman das "ewige Problem Deutschlands" darstellt; Deutschland sei eine "enorme" Wirtschaftsmacht, aber "geopolitisch zerbrechlich" und wüßte niemals, wo und wie es zukünftig seine Exporte verkaufen könne - das war seit 1871 immer die "deutsche Frage" und damit auch die "Frage Europas" - die USA müssen sich die "deutsche Frage" stellen, da sie wieder ansteht, tun das aber nicht
Kommentar zu Punkt 2:

Wie kommt dieses angebliche "Superhirn" auf über 100.000.000 Kriegstote im Zweiten Weltkrieg? Zwar findet seit Jahrzehnten eine Inflation mit der Anzahl der Kriegstoten (die solideste aller Schätzungen liegt bei 22,6 Millionen Toten) statt, doch hat sich in diese Höhe noch keiner gewagt. Von Friedman sicherlich unbeabsichtigt, wertet er aber damit gleichzeitig das von seiner Religionsgemeinschaft erbrachte Holocaust-Opfer ab. Darf man deshalb Friedman jetzt einen Holocaust-Leugner und Antisemiten nennen?
Im übrigen hat Friedman in der gesamten Rede - bis auf die 100 Mill. Toten - nichts erwähnt, was man nicht schon wusste.

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